Das Haus des Künstlerverbands
Das Haus des Künstlerverbands an der Bolschaja Morskaja Uliza 38 war schon immer ein Zentrum des kulturellen Lebens in Petersburg.
In den 1870er Jahren wurde in dem Gebäude auf Weisung Alexanders II. die Gesellschaft zur Förderung von Künstlern untergebracht, die bereits 1820 gegründet worden war.
Die Aufgaben dieser Gesellschaft waren sehr vielfältig und reichten von der Publikation von Büchern über die Organisation von Ausstellungen bis hin zur Förderung und Unterstützung junger Künstler. Unter den Stipendiaten der Gesellschaft waren Karl Brjullow, Pjotr Clodt und viele andere. Nachdem das Gebäude in den Besitz der Gesellschaft übergegangen war, wurden dort ein Museum für Kunst und Industrie sowie Ausstellungssäle und Künstlerwerkstätten eingerichtet. Im Jahr 1882 wurde die Gesellschaft in Kaiserliche Gesellschaft zur Förderung der Künste umbenannt; später dann in Allrussische Gesellschaft zur Förderung der Künste.
1932 wurde das Gebäude in Bolschaja Morskaja an die Leningrader Abteilung des Verbands der sowjetischen Künstler übergeben. Die gesamte Blockadezeit über war es für deren Mitglieder nicht nur Werkstatt, sondern auch Kaserne und Front: Hier arbeiteten die Künstler an den Plakaten für den „Kampfstift“.
Am 2. Januar 1942 wurde in einem der Säle eine Blockadeausstellung mit Arbeiten Leningrader Künstler aus der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges eröffnet, welche die erste in einer Reihe von Ausstellungen während der Kriegszeit war. Im Jahr 1943 fand eine Ausstellung W.M. Konaschewitschs statt. Eine Gedenktafel im Inneren des Gebäudes erinnert an die Kunstschaffenden, die während des Krieges ums Leben kamen.
Seit 1978 befindet sich dort ein Ausstellungszentrum, das jährlich über 100 Ausstellungen unter seinem Dach vereint.
Der „Kampfstift“
Der „Kampfstift“ war eine Vereinigung von Künstlern und Dichtern, die satirische Plakate entwarfen, um die Soldaten zu inspirieren. Ob kleinformatig, aufsehenerregend oder scharfsinnig – die Plakate waren äußerst populär. Ihre Themen und Stilrichtungen waren überaus vielfältig: Es gab sowohl heroische Flugblätter mit Appellcharakter als auch als erzählende volkstümliche Bilder, Satire und vieles mehr. Als Grundlage dienten die Berichte des Sowjetischen Informationsbüros und andere Nachrichten.
Wladimir Michailowitsch Konaschewitsch
Im Jahr 1943 fand im Haus des Künstlerverbands eine Ausstellung des Malers und Illustrators W.M. Konaschewitsch statt. In erster Linie ist er als Schöpfer zahlreicher Illustrationen für Kindermärchen bekannt.
Der Maler verbrachte die Blockadezeit in Leningrad und setzte seine Arbeit fort: Er illustrierte Kinderbücher (z.B. Märchen von Hans Christian Andersen) und führte unter dem Titel „Über mich und mein Werk“ einen Sammelband mit Erinnerungen. Bei seiner persönlichen Ausstellung 1943 wurden etwa 300 seiner Arbeiten gezeigt.
Konaschewitsch erstellte den Großteil der Illustrationen für den „Atlas der Bluttransfusion“, an dessen Anfertigung Leningrader Blockadekünstler beteiligt waren – wie etwa A.F. Pachomow, über den wir bereits in unserem Blog berichtet haben. Konaschewitsch zeichnete Szenen von Bluttransfusionen in diversen historischen Epochen, aber auch Porträts von Wissenschaftlern, die eine besonders wichtige Rolle in diesem Bereich spielten. Zudem gestaltete er den Einband des Atlasses. Das Material war bereits 1943 fertig, doch die Veröffentlichung erfolgte erst 1946.
Quellen:
Website des Künstlerverbands St. Petersburg
Artikel über W.M. Konaschewitsch auf der Website der Kinderbibliothek Iwanowo
Artikel über W.M. Konaschewitsch auf der Website der Kinderbibliothek der Oblast Leningrad
Bericht über die Ausstellung der „Kampfstift“-Vereiniung auf der Website des Staatlichen Museums für die Geschichte von St. Petersburg
Seite über den „Atlas der Bluttransfusion“ auf der Website des Virtuellen Russischen Museums

