Die Kasaner Kathedrale in der Blockadezeit
Wenn man den Newski Prospekt entlangfährt, bemerkt man unweigerlich ein Gebäude, das durch seine Schönheit und Erhabenheit beeindruckt: Die Kasaner Kathedrale wurde von dem russischen Architekten A.N. Woronichin erbaut, allerdings im europäischen Stil. In Russland und in der Welt gilt sie als bedeutendes Architekturdenkmal.
Der Bau der Kathedrale erfolgte am Vorabend des Vaterländischen Krieges von 1812. Der Heerführer M.I. Golenischtschew-Kutusow, Oberkommandierender der russischen Armee im Krieg gegen Napoleon, besuchte die Kathedrale vor seinem Aufbruch zum Schlachtfeld. Im Jahr 1813 wurde er hier im nordöstlichen Teil der Kathedrale begraben.
Auf Anweisung von Kaiser Alexander I. wurde diesem großen Feldherrn ebenso wie seinem Kampfgenossen M.B. Barclay de Tolly vor der Kathedrale ein Denkmal gesetzt. Diese beiden Denkmäler ließ man während der Blockadezeit – im Gegensatz zu vielen anderen – offen stehen.
Wir haben bereits darüber berichtet, dass es in der Isaakskathedrale ein Lager für Wertgegenstände aus den Leningrader Museen gab. Was aber befand sich in der Kasaner Kathedrale?
Im Jahr 1932 wurde das Gebäude auf Beschluss des Exekutivkomitees der UdSSR in den Zuständigkeitsbereich der Akademie der Wissenschaften der UdSSR übergeben, um darin ein Museum für Religions- und Atheismusgeschichte einzurichten. Während des Großen Vaterländischen Krieges traten allerdings andere Aufgaben in den Vordergrund: Man wollte die Stimmung der Leningrader aufhellen und sie an ihre großen Vorfahren erinnern. Als Symbol für eine heldenhafte Vergangenheit eignete sich die Kasaner Kathedrale dafür besonders gut.
Im Herbst 1941 wurde im Säulengang eine Ausstellung mit dem Titel „Die heroische Vergangenheit des russischen Volkes“ eingerichtet.
Praktisch alle Räume der Kathedrale waren während der Blockade geschlossen. Im Keller befand sich eine der Unterabteilungen des Stabes der Leningrader Front. 1942 wurde in einem der Räume des dort befindlichen Museums die Ausstellung „Der Vaterländische Krieg von 1812“ eröffnet. Soldaten aus Leningrad besuchten das Grab von M.I. Kutusow, bevor sie an die Front gingen.
Auf dem Platz vor der Kathedrale stand eine Flugabwehrbatterie. Die umliegende Fläche wurde bis in den Sommer 1944 für Gemüsegärten genutzt.
Durch Artilleriebeschuss wurde das Gebäude erheblich beschädigt: Es wurde von drei schweren Geschossen getroffen. Auf der Kuppel und dem Dach sowie an den Wänden und Säulen bildeten sich zahlreiche Löcher und Risse. Durch die Spalten drang Feuchtigkeit, durch welche die Innenausstattung und die Wandmalereien Schaden erlitten.
Die Restaurierungsarbeiten begannen 1951. Zur selben Zeit nahm das Museum in der Kathedrale seinen Betrieb wieder auf.
Am 4. November 1990 wurde die Kasaner Kathedrale wieder zur Kirche: Nach einer langen Pause wurde der erste Gottesdienst abgehalten. An diesem Tag wird das Fest der Ikone der Gottesmutter von Kasan begangen. Heute gehört die Kathedrale zu den größten aktiven Kirchen St. Petersburgs
Quelle:
Website der Kasaner Kathedrale

