Luftschutzkeller im belagerten Leningrad
Ende August 1941 gab es in der Stadt bereits um die 4600 Luftschutzkeller. Zumeist waren sie in den Kellerräumen der Häuser eingerichtet. Im heutigen Artikel stellen wir einige davon vor.
Die Luftschutzräume in den Kellern der Eremitage
Die zwölf Keller des Museums waren zu Luftschutzräumen umfunktioniert worden. Ab September, als die regelmäßigen Fliegerangriffe begannen, wohnten einige Museumsangestellte, Wissenschaftler und sogar Leningrader Kulturschaffende in diesen Räumen. Sie richteten sich dort nicht nur für den Alltag ein, sondern führten auch ihre wissenschaftliche Arbeit weiter. Offiziellen Listen zufolge lebten in den Kellern etwa 916 Personen, doch der Archäologe und Orientalist B.B. Piotrowski spricht in seinen Memoiren von ca. 2000 Mitarbeitern, die faktisch dort wohnten.
In den Kellern wurden außerdem Wertgegenstände aus den Palästen und Museen der Vorstädte aufbewahrt.
Ich ging ziemlich oft in den Keller der Eremitage, wo viele meiner Freunde wohnten. Dort war ein richtiges „Feldlager“ angelegt. In den Gewölbesektionen hatte jede Familie sich eine Ecke eingerichtet: Diese wurde so gut es ging verhängt, um sich gegen fremde Blicke abzuschotten. Faktisch siedelten alle Mitarbeiter, die noch in Leningrad waren, in den Keller um, nur sehr wenige blieben zu Hause …
Aus den Memoiren von R.I. Rubinstein, Dozentin am Herzen-Institut
1942 begingen die Angestellten in den Kellern das Neujahrsfest. Auf der Website des Museums findet man unter der Rubrik „Die Eremitage während des Krieges“ die Fotografie eines Kampfblattes, das zu diesem Anlass herausgebracht wurde. Ende 1942 (nachdem beschlossen worden war, das Wohnen in den Kellerräumen zu verbieten) wurden die Mitarbeiter auf Wohnungen in der Nähe der Eremitage verteilt.
Die Keller der Isaakskathedrale
Während der Blockade wurden in der Isaakskathedrale Exponate gelagert, die aus den Magazinen der Paläste und Museen in den Vorstädten (wie z.B. Puschkin, Pawlowsk, Peterhof usw.) evakuiert worden waren.
Im ersten Blockadewinter wurden in den Kellern der Kathedrale die Angestellten der Vorstadtmuseen untergebracht, die keine Wohnung in Leningrad hatten. Sie überwachten den Zustand der Exponate und der Kathedrale. Im Frühjahr, nach dem kalten Winter ohne Heizung, begannen die Wände „aufzutauen“. Die Angestellten trockneten die Exponate und ließen sie auslüften, wobei sie die Informationen über die Aufbewahrungsbedingungen in spezielle Bücher eintrugen.
Ebenso wie in der Eremitage wurde auch hier aktiv wissenschaftliche Arbeit betrieben.
Am 27. Januar 2004 wurde in den Kellern des Museums die Gedenkausstellung „Damit man sich erinnert“ eröffnet. Dort kann man authentische historische Exponate sehen, Tagebucheinträge und Erinnerungen von Zeitzeugen lesen und Plakate, Fotografien, Zeichnungen, Briefe sowie Gegenstände aus dem Blockadealltag betrachten. Die Ausstellung ist an Gedenktagen geöffnet.
Schdanows Bunker
Die politische Führung Leningrads sowie der gleichnamigen Oblast befand sich im Smolny (dem ehemaligen Institut für adelige Mädchen). Während der Blockade stand die Stadt unter der Leitung von Andrej Alexandrowitsch Schdanow. Im Smolny wurden wichtige Entscheidungen zur Versorgung und Verteidigung Leningrads getroffen.
Bei Bombenangriffen begab sich die Führung der Stadt in den in zwölf Metern Tiefe gelegenen Luftschutzkeller. Mit der Zeit verwandelte sich der Bunker nicht nur in eine Kommandozentrale, sondern in eine ausgebaute Behausung. Diese Räumlichkeiten können auch heute im Rahmen von Gruppenführungen besichtigt werden.
Der Luftschutzkeller in der Poehl-Apotheke
Die Apotheke an der 7. Linie der Wassili-Insel existiert bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, doch wirklich bekannt wurde sie erst, nachdem sie der Deutsche Wilhelm Christoph Ehrenfried Poehl, ein Absolvent der Medizinischen Fakultät der Universität Dorpat, erworben hatte. Er machte die Apotheke zu einem Familienunternehmen, das von mehreren Generationen der Poehl-Dynastie geführt wurde. Mit der Zeit und wachsendem Ruhm wurde ihnen die Ehre zuteil, „Lieferanten des Hofes Ihrer Kaiserlichen Hoheit“ zu sein.
Nach der Revolution wurde das Gebäude verstaatlicht, doch die Apotheke setzte ihren Betrieb fort, sogar während der Blockade.
Im Keller der Apotheke kann man heute den Luftschutzraum besichtigen, in den die Bewohner des Hauses bei Fliegeralarm flüchteten. Er war in Sektionen eingeteilt, was zusätzliche Sicherheit gab. Im Inneren gab es Bänke und andere Sitzmöglichkeiten sowie einen Vorrat an Trinkwasser, da die Bewohner nicht wussten, wie viel Zeit sie dort verbringen würden.
Die moderne Ausstellung wird durch Gegenstände des Blockadealltags ergänzt: eine Petroleumlampe, einen Spiritusbrenner, ein „Teller“-Radio und andere.
Quellen:
Rubrik zum Luftschutzkeller auf der Website der Eremitage
Website der Isaakskathedrale
Website des „Smolny“-Museums
Website des Museums der „Dr.-Poehl-Apotheke“

