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„Sinij platotschek“ von Klawdija Schulschenko

„Sinij platotschek“ von Klawdija Schulschenko

Der Walzer „Sinij platotschek“ (dt. „Blaues Tüchlein“) ist weithin bekannt. Das Lied entstand bereits in der Vorkriegszeit. Während des Großen Vaterländischen Krieges erlangte es einen neuen Klang und wurde in der gesamten Sowjetunion gespielt. Heute berichten wir über dieses Lied und seine Interpretin Klawdija Schulschenko.

Klawdija Iwanowna Schulschenko wurde am 4. März 1906 in Charkow geboren. In den 1920er Jahren kam die junge Sängerin nach Leningrad, wo sie erstmals auf der Bühne des Mariinski-Theaters auftrat. Sie feierte einen triumphalen Erfolg.
Später gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Sänger und Conférencier Wladimir Koralli, ein Jazzorchester, das sich großer Popularität erfreute.

Schulschenko verfügte über ein besonderes Gefühl für die Bühne: Sie inszenierte eigene Nummern und hatte einen unverwechselbaren Stil. Jedes ihrer Lieder führte sie wie ein kleines Schauspiel auf.

Am 22. Juni 1941 befand sich Schulschenko mit ihrem Ehemann auf einer Gastspielreise in Jerewan. Sie brachen die Tour ab und kehrten nach Leningrad zurück. Schulschenko ging als Freiwillige zur Roten Armee und wurde Solistin eines Jazzensembles für die Front. Das Hauptquartier des Orchesters befand sich im Haus der Roten Armee (heute das Haus der Offiziere). Hier wohnte sie gemeinsam mit Mann, Sohn und ihrem Vater, der die Blockade nicht überlebte.

Zusammen mit dem Orchester trat Schulschenko an diversen Orten auf: an der Frontlinie, in Matrosenunterkünften, in Lazaretten und auf der Straße des Lebens.

Im Frühjahr 1942 spielte Schulschenko mit ihrem Orchester im Lazarett der Stadt Wolchow, wo zu diesem Zeitpunkt heftige Kämpfe tobten. Die Soldaten baten Schulschenko, das Lied „Blaues Tüchlein“ aus der Vorkriegszeit zu singen, doch dessen Text erschien der Interpretin unpassend.

Hier machen wir einen Exkurs über das Lied „Blaues Tüchlein“: Es entstand 1939 dank den Mitgliedern des polnischen Estrada-Kollektivs „Hellblauer Jazz“. Das Lied wurde durch Improvisation komponiert und erlangte schnell Popularität, weshalb es von vielen Sängerinnen und Sängern gesungen wurde.
Während des Krieges wurde der Text der neuen Realität entsprechend umgeschrieben. In die Geschichte ging die Version, die schließlich von Schulschenko gesungen wurde.

Das Konzert in Wolchow besuchte auch Leutnant Michail Maximow, Korrespondent der Zeitung „In die entscheidende Schlacht“ der 54. Armee der Wolchow-Front, welcher den Auftrag hatte, einen Konzertbericht zu schreiben. Als Schulschenko ihn kennenlernte und erfuhr, dass er Gedichte schreibt, schlug sie ihm vor, einen neuen Text für das Lied zu verfassen.
Im Herbst 1942 erschien der Film „Konzert an der Front“, in dem die neue Version erklang. Der Text des „Blauen Tüchleins“ wurde sogar auf Postkarten in großer Auflage gedruckt.

Schulschenko erhielt die Medaille „Für die Verteidigung Leningrads“ sowie den Orden des Roten Sterns. Im ersten Kriegsjahr gab sie über 100 Konzerte.

In den 1980ern erschienen unter dem Titel „Wenn Sie mich fragen …“ ihre Memoiren, in denen sie über ihren künstlerischen Werdegang, ihre Lieder und die Epoche berichtet.


Quellen:

Artikel über Klawdija Schulschenko auf der Website des Radiosenders „Orpheus“
Dokumentarfilm „Der Newa-Schrein. Die Theorie des Umnöglichen. Klawdija Schulschenko“
Artikel über das Lied „Blaues Tüchlein“ auf der Website der Zeitschrift „Heimat“