Der Leningrader Dirigent Karl Eliasberg
Am 9. August feiert die Premiere der Siebten „Leningrader“ Sinfonie im Großen Saal der Leningrader Philharmonie ihren 84. Jahrestag. In unserem Blog haben wir bereits über das Werk wie auch das Konzert berichtet. Heute widmen wir uns seinem Dirigenten Karl Eliasberg.
Karl Iljitsch Eliasberg wurde 1907 in Minsk geboren. Seine Familie war nicht musikalisch, doch er beschäftigte sich bereits in jungem Alter mit Musik. 1922 zog der künftige Dirigent nach Petrograd, wo er in die Geigenklasse des Konservatoriums aufgenommen wurde. Noch vor dem Erhalt seines Diploms erhielt er die Stelle des Konzertmeisters im Theater der Musikalischen Komödie.
Im Alter von 25 Jahren bekam er eine feste Stelle als Dirigent des Leningrader Rundfunkorchesters. Später wurde er sogar dessen Hauptdirigent. Nach einem Gastspiel in Moskau 1940 wurde der Name Eliasberg im ganzen Land genannt. Man lobte seinen einzigartigen Musikgeschmack, sein feines Gehör, die Hingabe für seinen Beruf, seine Pünktlichkeit, Genauigkeit und sein Verantwortungsbewusstsein. Viele Moskauer Kollektive wollten mit ihm arbeiten, doch er war ein Leningrader Dirigent.
Die gesamte Blockade verbrachte Eliasberg in Leningrad. In seinem Memoiren schrieb er, dass er in dieser Zeit bei 85 sinfonischen Orchestern, 254 Radiokonzerten, 54 Opernaufführungen und einer Reihe anderer Veranstaltungen dirigiert hatte. Ein großer Teil der sinfonischen Konzerte war im Großen Saal der Leningrader Philharmonie gespielt worden.
Am 12. Oktober 1941 eröffnete das Orchester unter Leitung von Eliasberg die Saison, die es allerdings schon im Dezember beenden musste. Aufgrund seines Gesundheitszustandes musste der Dirigent ebenso wie seine Frau in stationäre Behandlung. Auch das Orchester hatte große Verluste zu verzeichnen. Im Frühjahr wurde jedoch die Entscheidung getroffen, das Kollektiv zurück ins Leben zu rufen. Über eine Anzeige im Radio wurden Musiker aus ganz Leningrad zusammengerufen. Die erste Probe fand am 30. März in einem kleinen Studio des Rundfunkkomitees statt. Damals glaubte kaum jemand daran, dass das Kollektiv wiederbelebt werden könnte. Doch Anfang April trat das Orchester vor Publikum auf – ein echter Sieg.
In den von Eliasberg geleiteten Programmen wurden Sinfonien von Beethoven, A.P. Borodin und A.K. Glasunow sowie Opern- und Ballettausschnitte gespielt. Während der Blockade führte das Orchester alles auf, was Leningrader Komponisten geschrieben hatten.
Eliasbergs Frau war die Pianistin Nadjeschda Bronnikowa. Das Paar hatte 1937 geheiratet; die Ehe hielt ein Leben lang. Zeitgenossen behielten die beiden als gutmütige, hilfsbereite und aufrichtige Menschen in Erinnerung. Auch den schweren Alltag der Blockadezeit meisterte das Paar gemeinsam.
Im Jahr 1949 verließ Eliasberg das Rundfunkkomitee. Ab den fünfziger Jahren ging er häufig im ganzen Land auf Tournee, doch er kehrte immer wieder nach Leningrad zurück.
Die Website der Philharmonie zeigt ein Foto, auf dem Eliasberg am 27. Januar 1964 das Konzert zu Ehren des 20. Jahrestags der Befreiung Leningrads dirigiert. Unter den Mitgliedern des Orchesters waren auch Teilnehmer des legendären Konzerts vom 9. August.
Der Dirigent, Pianist und Komponist Gennadi Roschdjestwenski schrieb über Eliasberg:
Ordnung, Genauigkeit, Sorgfalt, Disziplin und danach der ganze Rest – das war wohl das künstlicherische Credo von Karl Iljitsch, der sich keinen Hausbau ohne Fundament vorstellen konnte; und dieses Fundament legte er wie kein anderer.
Quellen:
J.S. Kantor: „Eliasbergs Orchester. Die verborgene Stimme“. In: „Die Leningrader Sinfonie: Geschichte, Geografie, Reflexion. Sammelband mit Vorträgen der Allrussischen Wissenschaftskonferenz vom 9. August 2022, St. Petersburg“, St. Petersburg: „Druck- und Verlagshaus Ladoga“ GmbH 2023.
Artikel über Eliasberg auf der Website der Petersburger Philharmonie
Artikel über Eliasberg auf der Website des Projekts Belcanto.ru
Artikel auf der Website der Zeitung „Musikalische Rundschau“

