Der Werdegang des Künstlers Wladimir Frolow
Solltet ihr einmal in der U-Bahn-Station „Nowokusnetskaja“ in Moskau sein, dann richtet euren Blick zur Decke: Ihr erblickt ein kunstvolles Mosaikgemälde, auf dem Sowjetbürger – Gärtner, Skifahrer, Piloten, Bauarbeiter und andere – abgebildet sind. Die Geschichte dieser Bilder ist eng mit dem belagerten Leningrad verbunden: Sie wurden von Wladimir Frolow geschaffen, über den wir heute berichten.
Wladimir Alexandrowitsch Frolow stammte aus einer Familie, die mehrere Generationen von Mosaikkünstlern hervorgebracht hat. Der Gründer der Dynastie, Frolows Vater Alexander Nikititsch, leitete die Mosaikabteilung der Akademie der Künste. Der ältere Bruder Alexander gründete die erste private Mosaikwerkstatt in Russland. Diese Werkstatt war berühmt für ihre Handwerkskunst und erhielt Aufträge, von denen die namhaftesten Künstler träumten. Nach dem Tod des Bruders übernahm Wladimir Alexandrowitsch ihre Leitung. Obwohl er in der Akademie der Künste Malerei studiert hatte und noch sehr jung war, kümmerte er sich aktiv um das Familienunternehmen und führte die von seinem Bruder entwickelte Methode weiter. Gemeinsam mit seinem Team setzte Frolow die Arbeit an seinem ersten großen Auftrag fort: der Gestaltung der Innenausstattung der Petersburger Erlöserkirche.
Mit der Etablierung der Sowjetmacht verlor die Mosaikkunst ihre frühere Bedeutsamkeit – möglicherweise wegen ihres religiösen Kontextes oder aufgrund der hohen Produktionskosten. Alexej Schtschussew, der Architekt des Lenin-Mausoleums, kannte Frolow und schätzte dessen Können sehr. Deshalb bestand er darauf, dass der Saal des Mausoleums mit Buntglas verziert werden und Frolow diese Arbeiten ausführen sollte. Dies führte zu einer Renaissance der Mosaikkunst.
Allerdings war die Familienwerkstatt der Frolows 1918 geschlossen worden, ihr Inhaber hatte in die Mosaikwerkstatt der Akademie der Künste übergewechselt. Hier arbeitete Frolow an den wichtigsten Werken der sowjetischen Periode, und zwar an den Mosaiken für die folgenden Stationen der Moskauer Metro:
- „Majakowskaja“ (Eröffnung 1938, 35 Mosaikbilder zum Thema „Ein Tag am sowjetischen Himmel“
- „Awtosawodskaja“ (Eröffnung 1943, 8 Mosaikbilder zum Thema „Das sowjetische Volk während des Großen Vaterländischen Krieges“
- „Nowokusnetskaja“ (Eröffnung 1943, 8 Mosaikbilder mit Szenen aus dem Leben der Sowjetbürger zu Friedenszeiten)
Die Arbeit an den Mosaiken für die beiden letzten Stationen fiel in eine besonders schwere Periode: die Blockade. Im harten Winter von 1941/42 war Frolow bereits 68 Jahre alt, doch er setzte seine Arbeit trotz aller Schwierigkeiten fort. In den eiskalten Räumen seiner Werkstatt musste er die Mosaiksteine gewissermaßen im Dunkeln zusammensetzen, denn als Lichtquelle hatte er nur eine Petroleumlampe zur Verfügung. Im Januar 1942 wurden die letzten Arbeiten über die Straße des Lebens nach Moskau geschickt. Wladimir Frolow überlebte die Blockade nicht; er starb im Februar 1942. Die Mosaikbilder für die Metro wurden jedoch pünktlich fertiggestellt.
Quellen:
Artikel über Frolows Mosaikwerkstatt auf der Website der Isaakskathedrale
Artikel über W. Frolow
Artikel über W. Frolow auf der Website „Die Welt der Metro“

