Jaroslaw Nikolajew, der „Leningrader Chronist“
Die Liebesgeschichte zwischen Maria Petrowa, Schauspielerin und Sprecherin beim Leningrader Rundfunk, und dem Maler Jaroslaw Nikolajew ist ein bewegendes Beispiel dafür, wie aufrichtige Gefühle Menschen in besonders schweren Zeiten retten können. Über Maria Petrowa haben wir bereits berichtet, weshalb wir uns heute ihrem Mann widmen.
Der Maler Jaroslaw Sergejewitsch Nikolajew wurde 1899 in dem Örtchen Šiauliai (im heutigen Litauen, dt. Schaulen) im Gouvernement Kowno geboren. Obwohl er seine Kindheit in St. Petersburg verbrachte, kehrte Nikolajew lange nicht in die Stadt zurück. Zuerst zog die Familie nach Tomsk, wo der junge Jaroslaw begann, sich parallel zum Gymnasium mit Malerei zu beschäftigen. Später lebte er in Swerdlowsk und der Mongolei und kehrte erst in den 1930ern endgültig nach Leningrad zurück.
Zur selben Zeit trat er in die Assoziation der Künstler des revolutionären Russlands ein, etwas später dann in den Leningrader Verband sowjetischer Künstler.
Nikolajew verbrachte die gesamte Blockade in Leningrad. Er half dabei, die Evakuierung der Schätze der Eremitage vorzubereiten, hob Panzergräben aus und war wie viele andere Künstler an der Tarnung von wichtigen Objekten in der Stadt beteiligt.
Zudem war er Mitglied der Vereinigung „Kampfstift“: Nikolajew erstellte Agitationsplakate, bemalte Straßenschilder und hielt die Lebenswirklichkeit der Blockade fest, weshalb man ihn als Chronisten des belagerten Leningrad bezeichnen könnte. Auf der Website des Virtuellen Russischen Museums sind einige seiner Arbeiten zu sehen: das verschneite Panorama des Urizki-Platzes (heute: Schlossplatz), eine Artilleriestellung an einer Uferpromenade, eine Menschenschlange, die nach Brot ansteht, und andere. In diesen Werken spiegelt sich deutlich die Liebe zu der Stadt, die gerade eine besonders schwere Zeit durchmachte.
Während der Blockade begegnete Nikolajew seiner späteren Ehefrau. Einmal hörte er im Radio eine fröhliche und übermütige Stimme. Da er wissen wollte, wer so spricht, ging er zum Gebäude des Rundfunkkomitees. Dort traf er zwei junge Frauen: Olga Bergholz und Maria Petrowa. So lernten sie sich kennen.
Kurze Zeit später verabredeten sie, dass Maria in sein Künstleratelier kommt, damit Nikolajew ihr Porträt malen kann. So entstand eines seiner bekanntesten Bilder: das „Porträt der Leningrader Rundfunksprecherin M.G. Petrowa“ – ein so anrührendes und zartes Bild, als hätte der Künstler es zu Friedenszeiten gemalt. Aus der Freundschaft zwischen Jaroslaw und Maria wurde allmählich Liebe: Die beiden heirateten 1943 im belagerten Leningrad und verbrachten 35 Jahre miteinander.
Quellen:
Artikel über Nikolajew auf der Website des Museums- und Ausstellungszentrums „Der Petersburger Künstler“
„Schicksale, die sich kreuzen. Jaroslaw Nikolajew und Maria Petrowa“ (Film)

